Hopping-Tour (Dortmund – Bergamo – Zürich – Salzburg – Dortmund)

Samstag, 29.04.2006, 16 Uhr: Atalanta Bergamo – Brescia Calcio, Stadio Atleti Azzurri d’Italia (26.638 Plätze)

Sonntag, 30.04.2006, 16 Uhr: FC Zürich – Grashopper Zürich, Letzigrund (23.605 Plätze)

Montag, 01.05.2006, 15 Uhr: PSV/SV Austria Salzburg – Saalfelden, PSV-Stadion (unbekannt)

Irgendwann im März wurde uns bewußt, dass das letzte April-Wochenende spielfrei sein würde. Mit dem Pokalfinale hatte es wie gewohnt nur ganz knapp nicht gepaßt. Was tun? Zuhause bleiben und ausruhen? Mhm…puuuuuh…..ne, lassen wir das.

Also ein paar Mann zusammen getrommelt, Hussis Arbeitgeber um einen Mietbulli erleichtert und die Spielpläne gewälzt. Kaddi, Kasper, Rambo, Modul-Horst, Hervé, Heiner, Action-Andy und meine Wenigkeit entschieden sich für Monaco – Nantes, Zürcher Derby und Salzburg – Saalfelden. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man gedacht hat. Kurz vor Abfahrt stellte die französische Liga ihren Spielplan um und Monaco – Nantes wurde auf Sonntag verlegt. Dadurch wurde das Spiel für uns unmöglich und für Hervé war es nicht mehr möglich, uns zu begleiten. Er konnte schlecht ein Spiel seines FC Nantes sausen lassen. Statt seiner entschied sich Micha fürs mitkommen. Wir mußten nun noch einen Ersatz finden. Wir entschieden uns für das Derby Bergamo gegen Brescia, auch wen 2 von uns schon in Bergamo waren. In der Nacht von Freitag auf Samstag um 1 Uhr ging es los, kurz vor Basel der erste Fahrerwechsel und gegen 11 Uhr erreichten wir unser Hotel in Mailand (trotz einiger Verwirrungen des Navigeräts), kurz eingecheckt und weiter nach Bergamo. Bei meinem letzten Besuch dort hatte es dank des neuen Gesetzes in Italien noch null Chance auf Eintrittskarten gegeben, war es dieses mal „etwas“ einfacher. Wir mußten zwar länger nach einer Vorverkaufsstelle suchen, aber wir stießen bald auf eine. Dort waren schon ein paar großartige Typen aus Slowenien versammelt, die uns bald in ihrem total besoffenen Kopp vollquatschten. Ein paar Auszuüge gefällig? „From which country you are?“ – „Germany.“ – „Ah, Deutsland! Which club do you support?“ – „Dortmund.“ – „Are you a hooligan?“ – „No, just a fan.“ – „A Fan? Coooome ooooon, you’re a hooligan! I love hooligans!“ Denkt euch das sturzbetrunkene nuscheln einfach dazu. Der gute Mann erklärte mir und vor allem seinem neuen Freund Heiner („He is the greates Hooligan of Dortmund.“) dann noch, wie toll wir Deutschen seien und wie klasse das Länderspiel in Celje war. Sei es wie es sei, die Karten hatten wir nun endlich in der Tasche, am Stadion wurde noch eine Cola geschlürft und die Einheimischen begafft.

bergamoWer zuvor noch nicht in Italien beim Fußball war, wird sich wundern, wie wenig sich die Leute hier verkleiden wenn sie zum Fußball gehen. Einfach normale Klamotten, keine bescheuerten Mützen, keine 20 Schals umgebunden oder lächerlich bemalt. An anderer Stelle würde man wohl von „Style“ sprechen, ich will das mal vermeiden, die Leute laufen hier einfach so rum, wie sie auch sonst rumlaufen. Ca. 1 Stunde vor Spielbeginn das Stadion betreten. Der Großteil des Brescia-Haufens war kurz zuvor eingetroffen und hatte sich nicht lange am Eingang aufhalten lassen. Im Stadion selbst sollten die Jungs von nun aber nicht mehr viel zu melden haben. Bergamo begann mit einer kleinen Papptafel-Wende-Choreographie, sehr nett anzusehen. Danach legte die Ultras von Atalanta Gesangstechnisch brachial laut los. Dieses Niveau hielten sie auch – mit kleinen Hängern – bis zum Ende des Spiels durch. Das war schon gewaltig und in Deutschland ist wohl zur Zeit keine Kurve in der Lage, dieses Niveau mitzugehen. Dazu kam, dass das Spiel selbst ebenfalls erstklassig war, ich kann mich nur an wenige Bundesligaspiele erinnern, die in der abgelaufenen Saison so stark waren und dies hier war Serie B, zweite italienische Liga. Atalanta siegte verdient mit 2:0, das zweite Tor durch einen Fallrückzieher, Kategorie besonders sehenswert. Nach dem Spiel versuchte ein Teil der Atalante-Leute (vornehmlich sehr junges Kaliber) den Gästebereich zu stürmen, aber die Polizei hatte mit diesem Angriff kein großes Problem. Horst und Micha hatten sich das Spektakel nicht entgehen lassen wollen und mußten von uns später noch eingesammelt werden.

Nach der Rückkehr ins Hotel, noch 1-2 Bierchen und dann einfach nur pennen. Der Tag war lang.

zurich_altAm nächsten morgen ging es zeitig nach Zürich, nicht ohne die Sehenswürdigkeiten der Schweiz zu bewundern: Berge, Seen und Tunnel. Heimrecht hatte zum letzten mal der FC Zürich im ehrwürdigen Letzigrund. Das Publikum des FCZ ist eher italienisch angehaucht mit Hang zum besonders lässigen, außerdem sind hier überdurchschnittlich viele Migranten zu sehen. Trikotträger sieht man nur sehr selten, Schalbuden vollkommen fremd. Das Zürcher Derby genießt auch außerhalb der Schweiz einen recht guten Ruf, wir waren gespannt. Vor dem Stadion ein riesen Auflauf, weil die knapp 20.000 Zuschauer den Ordnungsdienst mächtig überforderten. Es wurden auch Unterschriften gegen das neue, sogenannte „Hooligan-Gesetz“ und die dazugehörige Kartei gesammelt. Vielleicht bleibt die Schweiz ja von diesem Unsinn sogar verschont oder zumindest wird hier eine Kontrollinstanz geschaffen, die es in Deutschland bekanntlich nicht gibt.

Heiner, Action und ich machten uns auf der Westtribüne breit und hatten so gute Sicht auf beide Kurven. Von der GC-Seite erwarteten wir wenig bis nichts, auch wenn die Stimmung nicht so schlecht sein sollte. Die Zürcher Südkurve zeigte ein sehr nette Choreographie zum einlaufen der Mannschaften, diese wurde vom Sitzpublikum auch groß erwartet und beklatscht. GC zeigte ein Spruchband und ein paar Schwenker, der FCZ zündete später noch etwas Rauch.

Die Stimmung war ok, aber auch nichts besonderes. Sie entsprach eher dem, was wir auch aus der Bundesliga kennen, abgesehen von der Art der Gesänge, die sich eben sehr an Italien orientierten.

Das Spiel war ebenfalls eher durchschnittlich, der FCZ gewann am Ende verdient mit 2:0, ein Tor schoß Keita. Derselbe Keita, der dem BVB angeblich nicht gut genug war. Verstehen konnten wir das nicht. Er ist ähnlich schnell wie Odonkor, kann dabei aber auch noch was am Ball und schießt Tore. Inzwischen ist er Torschützenkönig in der Schweiz geworden.

Nach dem Spiel gab es nichts mehr, da die Polizei die FCZ-Fans noch über 30 Minuten in der Südkurve festhielt, während die Hoppers sich schnell auf den Weg nach Hause machten.

Von Zürich aus ging unsere Fahrt direkt nach Salzburg, dort hatten Sebastian und Flo von den Union Ultras drei Zimmer in der Pension „Zum jungen Fuchs“ für uns gebucht. Geiler Laden, der Gastwirt empfing uns ohne Hemd und Socken und war sichtlich bemüht, seine nackte Ehefrau vor uns zu verbergen. Das wäre aber auch besser gewesen, sehr unansehnlich muß sie gewesen sein – uns in der Schlange hinten stehenden wurde der Anblick verwehrt. Die Zimmer konnten auch einiges, also gingen wir lieber noch etwas trinken. Ein Irish Pub nahm uns dankbar auf und Kaddi verliebte sich hier ca. drölfmal. In Salzburg gibt es noch eine sinnlose Sperrstunde und ganze 2 Läden haben noch geöffnet. Auf dem Weg zu dem einen trafen wir den Mittelstürmer von Austria Salzburg, Berni Huber. Der sollte morgen spielen, das hinderte ihn aber nicht am saufen. Die beiden Absturzkneipen waren dann auch eher das übelste vom übelsten. Vor allem die Pizzeria Intermezzo, deren Wirtin alles und jeden anpöbelte. Großer Laden, muß man einfach mal gewesen sein. In den Morgenstunden ging zurück in die Kaschemme, Kasper nahm sein Bett noch auseinander und der Rest versuchte es mit pennen.

„Morgens“ nach dem Frühstück stieß dann auch Janni zu uns, der mit dem Flugzeug aus Manchester gekommen war. Wir fuhren wir dann raus zum Stadion vom PSV/Austria. Wobei es sich hierbei ja eher um einen Sportplatz handelt. Wir wurden super nett empfangen, die Jungs und Mädels hier sind mit mehr Herzblut bei der Sache als viele gelangweilte Funktionäre anderer Vereine. Man spürt, dass es sich hier um die große Chance handelt, der totalen Kommerzialisierung Einhalt zu gebieten. Austria, Wimbledon und United of Manchester sind die Speerspitze im Kampf gegen die scheinbare erdrückende Übermacht von Geld, Einfluß und sportlichem Erfolg. Hier merkt man, dass genau das eben nicht alles ist, hier zählt das Herz mehr als all diese achso wichtigen Faktoren. „Wir haben Austria Salzburg im Herzen!“ ist dann auch gleich der das Spiel einleitende Gesang, irgendwie sinnbildlich. Natürlich ist das Spiel grausam, Austria bemüht sich, aber der vollkommen ausgelaugte Mittelstürmer Huber macht das ansinnen auch nicht leichter. Das Spiel endete 1:1, nachdem Saalfelden ausgeglichen hatte und Salzburg nichts mehr entgegen zu setzen hatte. Am Ende hieß es sich, schnell zu verabschieden und auf den Weg nach Haus zu machen.

Vielen Dank an dieser Stelle an die ausgezeichneten Co-Piloten Kaddi und Horst, sowie alle Austria-Salzburg-Fans.

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