AC Cesena – AC Torino

Donnerstag, 01.06.2006, 19 Uhr, Stadio „Dino Manuzzi“ (24.000 Plätze)

cesena1Am letzten Wochenende fanden die letzten Spiele der zweiten Liga statt, Atalanta Bergamo und Catania steigen direkt auf. Torino, Mantova, Modena und Cesena spielen den dritten Aufsteiger in den Playoffs aus. Dabei empängt Cesena Torino im Hinspiel um 19 Uhr, Donnerstag abend. Da wir ja erst Samstag abfahren, bot sich das praktisch an, auch wenn Cesena nicht gerade um die Ecke liegt. Nina wurde von mir mit dem Versprechen geködert, dass wir auf dem Weg auch ans Meer, nach Cesenatico weiterfahren könnten. Leider war der Verkehr etwas dicht und wir erreichen Cesena erst gegen 14 Uhr. Die Karten kauften wir in einer Bar am Stadion, wo die anwesenden Tifosi sichtlich nervös waren und auf das Spiel zu fiebern schienen. Cesena war erst vor 2 Jahren in die Serie B zurückgekehrt, die Euphorie war rund ums Stadion fast zu greifen. Nach dem Kartenkauf (schlappe 35,- EUR je Karte) fuhren wir nach Cesenatico ans Meer, um gegen 17:30 Uhr wieder zurück zum Stadion zu fahren.

Parken war hier total übel, irgendwann fanden wir einen Parkplatz ganz in der Nähe des Stadions, in einem Wohngebiet. Zu Fuß zum Stadion, draußen wurde noch ein Bierchen getrunken und die Szenerie beobachtet. Früher hatte Cesena einmal den Ruf, eine rechtslastige Szene zu besitzen, heute ist davon nichts zu sehen. Allerdings liegt diese Zeit auch schon viele Jahre zurück.

Größte und bestimmende Ultragruppe sind die „Weiß-schwarzen Brigaden 1982“, die heißen wirklich genauso. Einen deutschsprachigen Namen gaben sie sich, als in Cesena der Österreicher Schachner spielte und dort sehr beliebt war. Der gute Mann war übrigens der wenig erfolgreiche Trainer des TSV 1860 München.

Das Stadion des AC Cesena ist für italienische Verhältnisse recht modern, ein reines Fußballstadion mit 3 neuen, zweistöckigen Tribünen und einer alten Haupttribüne. Die Ultras des AC stehen hinter einem der beiden Tore, die Gästefans haben in der Theorie die baugleiche, gegenüberliegende Tribüne für sich alleine. In der Praxis sind heute knapp 1.500 Toro-Tifosi vor Ort, die den Oberrang zu 2/3 füllen können. Die Hauptgruppen erscheinen erst kurz vor Spielbeginn, solange sind die Zaunfahnenplätze vor der Tribüne verweist, die Plätze werden für die anerkannten Gruppen freigehalten. Auf Cesena-Seite hängt heute keine einzige Zaunfahne, dafür scheint man eine Blockfahne vorbereitet zu haben.

cesena2Unsere Sitzplätze befinden sich direkt an der Stehplatztribüne, so dass wir von den Torro-Fans nur wenig bis nichts mitbekommen sollten. Um uns herum machten es sich Familien, junge, mittelalte und alte Fans bequem. Sie alle waren sichtlich erwartungsfroh, die Euphorie wurde immer greifbarer. Als Intro präsentierte Cesenas Ultras dann eine Blockfahne mit der Aufschrift „ULTRAS“, dazu Doppelhalter und Schwenkfahnen. Nichts besonderes, aber sehenswert. Cesenas Vorsänger stand auf einem Podest vor der Tribüne und trug statt Mega- oder Mikrophon tatsächlich ein „Headset“. Wirkte irgendwie albern, macht aber total Sinn, so wie der Typ 90 Minuten abging. Das Spiel ging los und Cesena legte los wie die Feuerwehr, vor allem Spielmacher und Mannschaftskapitän Spaletti wusste zu gefallen. Ein richtig geiler Zocker, offensichtlich aber auch schon etwas älter. Er war es dann auch, der einen Freistoß direkt ins lange Eck befördert und das Stadion zum ausrasten brachte. Der ohnehin schon sehr, sehr gute Support wurde immer besser und lauter. Schmähgesänge und Gepöbel wechselten sich mit echter Unterstützung der Mannschaft oder Selbstdarstellung ab. Ein top Auftritt der heimischen Kurve, das machte wirklich Appetit auf mehr. Als dann kurz nach der Führung Cesenas Mittelstürmer im Strafraum für jeden ersichtlich am Trikot heruntergezogen wird, rechnete alles mit dem Strafstoß, nur der Schiedsrichter nicht. Er pfiff nicht, große Unmutsbekundungen gab es dann aber auch nicht. Unverständlich, da es ein klarer Elfmeter war. Torro erzielte plötzlich und aus dem nichts den Ausgleich – doch es war Abseits. Wenige Minuten später dann doch der Ausgleich, Torros Kurve rastet aus. Kurze Stille auf Heimseite, doch dann wurde ausdauernd weitergesungen.

Die Halbzeit brachte etwas Ruhe, danach ging es so weiter, pausenlos. Sehr beeindruckend und man merkte Cesenas Zuschauern an, dass sie sich selbst als Außenseiter betrachteten. Die eigene Mannschaft wurde nach Kräften unterstützt und nach einer kurzen Phase der Ernüchterung legte die auch wieder los und war immer dran, den Siegtreffer zu erzielen. Am Ende blieb es jedoch beim 1:1 und die Fans feierten ihre Mannschaft. Nach dem Spiel wieder zurück in die Toscana, leider mit einer Stunde Stau kurz vor Florenz.

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