FC Turin – AC Siena

Samstag, 23.09.2007, 15 Uhr, Stadio Olimpico (27.128 Plätze)

4. Spieltag, Serie A

Samstag nachmittag die Niederlage des magischen BVB in Berlin bestaunt, Bruder Bleifuß auf der Rückfahrt ordentlich zugeschlagen. In Dortmund angekommen gut 3 Stunden pennen und um 4 Uhr standen meine Mitfahrer Olli und Jannis vor der Tür. An der Tankstelle noch mit dem zweiten PKW getroffen, in Herdecke Action eingesammelt und auf nach Hahn. Als grosser Experte hab ich dann unterwegs noch gedacht, das Navi austricksen zu können, was uns dann gut 30 Minuten Verspätung einbrachte. Neben dem Nachteil, dass Simons Karre Geschwindigkeiten über 120km/h komplett fremd sind, brachte uns das langsam in Nöte. Am Ende waren wir dann doch gut 40 Minuten vor Abflug da, eingecheckt und ab gings nach Mailand. Die Flüge kosteten knapp 40,- EUR pro Nase und in Mailand (eigentlich Bergamo) gabs den Bulli für 140,- EUR zzgl. Versicherung. Nach ein paar Missverständnissen (könnte an meinem miesen italienisch liegen) hatten wir dann die Schlüssel für den Ford Transrapid (leider ohne Gardinen) in der Hand. Per Bus gings zum Parkplatz und dann ab nach Torino.

Zwischendurch natürlich noch einkaufen und frühstücken. In Torino durften wir dann quer durch die ganze Stadt gondeln und dann noch sinnlos nach einem Parkplatz suchen, der dann auf der anderen Seite des Stadions schlappe 5,- EUR kostete. Karten gekauft und dann Atmosphäre inhalieren. Action und ich zogen die „Tribuna“ vor und zahlten 35,- EUR, der Rest verteilte sich irgendwo in der „Curva“ für 25,- EUR. Allerdings nicht in der eigentlichen Heimkurve (Granata), sondern auf der gegenüberliegenden Seite. Action und meiner einer saßen direkt neben der eigentlichen Heimkurve. Doch vorher zogen wir erstmal zu zweit über den Stadionvorplatz, dort reihte sich Verkaufsstand an Verkaufsstand, in denen es vornehmlich Fanartikel gibt. Typisch Italien viel wirklich billiges Zeug, dafür aber auch angenehm stilsicher und wenig Klimbim wie hierzulande. An einem Stand schenkte uns noch eine Frau zwei T-Shirts für eine Anti-Rassismus-Aktion. Bisher dachte ich, dass Torro eher die Gegenseite darstelle, scheint aber nicht zwingend der Fall zu sein, eher sehr buntes Publikum. Auffällig, dass wirklich alle hier Vereinsfarben trugen, der Platz war in rot gehüllt, was sich auch später in der Kurve zeigen sollte. Anders als hier, wo jeder Super-Duper-Jungultra meint, er dürfe keine Vereinsfarben tragen.

Dann ab ins Stadion, wo nun wirklich die Namen auf der Karte und dem Personalausweis verglichen wurde. Das machte für das Spiel am späteren Abend in Genua nicht wirklich Mut.

torinoDas Stadion in Turin ist ein Neubau, das „Stadio Olimpico“ wurde – wie der Name erahnen lässt – für die Winterolympiade 2006 in Turin gebaut. Wenn man drin steht, könnte man aber den Eindruck gewinnen, dass das Ding schon ein paar Jahre länger steht. Teilweise ist der Lack im wahrsten Sinne des Wortes ab. Das Stadion hat 3 Ränge, wir saßen im unteren. Unsere Plätze lagen direkt in der prallen Sonne, so konnten unsere mitteleuropäisch gebleichten Knochen noch mal Sonne tanken. Rechts von uns die Heimkurve, in der vor Spielbeginn praktisch alle saßen. Links am anderen Ende der spärlich gefüllte Gästeblock (Siena liegt etwa 4-5 Autostunden von Torino entfernt). Die Gäste hörte man im Spiel 2-3 mal, obwohl es vielleicht nur 100 Leute waren.

Die Heimkurve legte zu Beginn gleich mächtig los, geil laut war es und das ohne jegliche Hilfsmittel wie Megaphon oder gar Anlage. Dafür eine ganze Batterie Vorsänger auf den Geländern im Mittelrang. Oben krönte ein „Forza vecchio cuore granata!“-Spruchband die Kurve. Wer mir die genaue Übersetzung schickt, bekommt eine Erwähnung, ich kann es nur wortwörtlich 😉

Das Spiel war grausam und so wurde auch die Stimmung im weiten Runde schwächer, trotzdem wäre es wohl oberes Bundesliga-Niveau. Auch in Italien werden viele Lieder mit leicht unterschiedlichem Text in vielen Stadien gesungen, also auch nicht soviel anders als in Michel-Land. Trommeln hörte man heute ebenfalls keine und die Zaunfahne der grössten Gruppen in Torino fehlten ebenfalls. Alles offenbar im Zusammenhang mit den neuen Gesetzen. Speziell die Ultras Granata von Turin lehnen es ab, Fanmaterial im Vorfeld genehmigen zu lassen. Sie halten dies für einen Verrat an der Sache und beschuldigen andere italienische Gruppen, hier faule Kompromisse zu machen. In Deutschland ist man ja leider nichts anderes mehr gewohnt, den Schritt sich gegen die Anfragen zu wehren, haben wir vor 10 Jahren verpasst, als es fast niemanden mehr gab, der sich noch wehren wollte. Auf der anderen Tribünenseite ist dagegen alles voller Fahnen, so auch „Leonis“, die als kleiner Stimmungskern auszumachen waren. Auf Haupt- und Gegentribüne wurde viel gemeckert, aber auch schnell geklatscht und mal aufgesprungen.

Wir verschwanden kurz vor Abpfiff und waren die einzigen, die das taten. Alle anderen hielten brav bis zum Schluss aus und hofften auf den Sieg ihrer Mannschaft. Auch ein deutlicher Unterschied zu Deutschland. Der „Calcio“ ist tiefer verwurzelt und nicht nur ein Freizeitvergnügen, an dessen Ende es darauf ankommt, schnell wieder zuhause zu sein. Fußball wird gelebt und geliebt.

Das Spiel endete 1:1, Siena verschoss zwei Elfmeter, wobei beim zweiten der Nachschuss erfolgreich war. Die Mannen aus der Toskana waren das klar bessere Team und versäumten den Sieg durch die schlechte Chancenauswertung.

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