Novara Calcio – US Leccho

Sonntag, 30.09.2007, 15 Uhr, Stadio Silvio Piola (7.487 Plätze)

6. Spieltag, Serie C1, Girone A

Nach 2 Serie A-Spielen war es mal wieder Zeit für ein Spiel der dritten Liga, der Serie C1. Da Novara nur einen Katzensprung vom Urlaubsort entfernt liegt, bot sich die heutige Partie geradezu an. Nach dem sogenannten Fußballspiel der eigenen sogenannten Fußballmannschaft in Karlsruhe, hatte ich meine Frau noch zu einem Kurztripp an den Lago Maggiore eingeladen, immerhin war man in KA fast schon auf dem halben Weg nach Italien. Die Tour am Sonntag nach Verona zum Spiel Hellas Verona gegen Venezia-Mestre taten wir uns nach der langen Fahrt nicht mehr an und auch Genua – Atalanta reizte nicht so. Aber ganz ohne Fußball geht ja nicht, wenn man schon in Italien ist.

Auf dem Weg fiel uns dann auf, dass die Ausweise noch an der Rezeption liegen. Super Sache……wir fuhren trotzdem weiter und hofften, dass Italien eben doch Italien ist und die Kartengeschichte in der dritten Liga etwas lockerer gehandhabt wird. Am Stadion angekommen, war dort überall zu lesen, dass es „Bigletti“ für das heutige Spiel nur im „Palazzo dello Sport“ gebe. Wo das nun war, stand nicht auf den Aushängen. Zum Glück kannte es mein Navi und es war auch nur wenige 100 Meter vom Stadion entfernt. Für 20,- EUR bekamen wir Karten für die Tribuna. Da noch gut 2 Stunden bis Spielbeginn waren, sahen wir uns noch etwas die Innenstadt an. Nettes Städtchen, dessen Highlight wohl die örtliche Kirche ist – wie in so ziemlich jeder italienischer Stadt.

Eine gute Stunde vor Spielbeginn waren wir wieder vor dem Stadion, die Schalsammlung wurde aufgestockt und ein Geschenk gekauft. Vor dem Stadion lungerten ein paar Gestalten herum, die nach Ultras aussahen. Der Gästeblock war nicht sonderlich geschützt, davor standen 2 Busse, man konnte sich frei bewegen. Am Eingang wurde man natürlich wieder von der Polizei gefilzt, wie das in Italien üblich ist. Die „Tribuna“ ist – typisch für viele italienische Stadien – deutlich grösser als alle anderen Tribünen im Stadion, die beiden Kurven und die gegenüberligende Tribüne zählen nur wenige Reihen und Sitze sind typischerweise ohne Rückenlehne.

Der Gästeblock ist schon gut gefüllt, als wir das Stadion betreten, die Heimkurve dagegen noch recht leer. Keine Zaunfahnen, kaum Leute – anders die Gäste, die den Block schön geflaggt haben. Auf unserer „Tribuna“ eher gesetztere Leute und Familien. Wie man das aber aus Italien kennt, sehr pöbelfreudig und engagiert.

Kurz vor Spielbeginn treffen dann auch die heimischen Ultras ein, deren Hauptgruppe wohl die „Legione Novara 1983“ ist, die aber keinerlei Zaunfahne hängen hat. Vermutlich hängt auch das mit den neuen Erlassen in Italien zusammen, dass selbst solche Zaunfahnen angemeldet werden müssen. Beim Gast ist keine Hauptgruppe optisch auszumachen. Beim Eintreffen der Heimfans legt der Gast dann auch gleich mal los und begrüsst die zahlenmäßig unterlegenen Gastgeber mit „Novara, Novara vafanculo!“ Die Heimseite antwortet später ebenso. Bei den Heimfans kommen ein paar grosse Schwenker zum Einsatz, ansonsten ist nichts zu sehen. Gut 2.500 Zuschauer sind heute gekommen.

Während Novara mit viel Engagement auf dem Platz loslegt, ist Leccho von Anfang die abeklärtere und spielerisch stärkere Mannschaft. Nach einem Konter erzielt Vieri für Leccho auch das 0:1 per Kopf. Schöne Flanke und ein ebenso schöner Kopfball. Novara danach mit wütenden Angriffen, ohne aber zu wirklich guten oder gar zwingenden Chancen zu kommen. Auf den Rängen sind die Novara-Leute dagegen eher zu vernehmen als die Gäste, die nur ab und an richtig laut werden. Novara versucht sich an ein paar Melodien und durchgängigen Liedern, was bei dem Spielverlauf nicht sonderlich schwer fiel. Während Novara immer aggressiver wird, spielen die Gäste immer besser auf. Spielerisch reif und dazu mit einigen sehr guten Fußballern, wie dem Sohn von Italien-Legende Altobelli, der wie ein Spielmacher agiert und dabei gute Szenen hat.

Gästeblock in Novara

Gästeblock in Novara

Ein Konter für Leccho führt dann zu der nächsten Szene mit Folgen. Ein schöner Spielzug über die rechte Seit und ein Novara-Akteur rammt seinem Gegenspieler den Ellenbogen ins Gesicht, von der Tribüne „schön“ zu sehen. Trotzdem reagiert der heimische Pöbel darauf eher ungehalten und macht dem meines Erachtens sehr guten Schiedsrichter Vorwürfe, der Abwehrspieler wäre der bessere Adressat gewesen. Selten eine so dumme Aktion gesehen, zumal der Ball noch nicht einmal die Mittellinie überschritten hatte. Zu allem Überfluss hatte Novara auch bereits einmal verletzungsbedingt gewechselt.

Wie so oft, führte das nun dazu, dass die zahlenmäßig unterlegene Mannschaft kämpfte wie verrückt, während die andere Truppe dazu neigt, sich zu sicher zu fühlen. Dieses Gefühl der Sicherheit steigerte sich dann auch noch, als Leccho durch einen weiteren Konter – dieses mal über die rechte Seite – zum 2:0 kam. Ein langer Ball aus dem Halbfeld senkt sich in den Strafraum und der Gästestürmer wirft sich in den Ball, der wird länger und länger und trudelt in den Kasten. Ausrasten im Gästeblock, dazu eine – eigentlich für Deutschland einst typische – Rauchwolke. Auf der Tribüne wird es nun auch lauter, die anwesenden Gäste aus Leccho machen sich auch hier bemerkbar.

Novara entfacht nun ungeheuer viel Druck, drängt auf den Anschlußtreffer und kommt zu Chancen. Herausragend dabei die Nummer 7 und Sturmführer „El Bomber“ Rubino. Und der macht dann auch den Anschluss, sehr gute Aktion von ihm, wie er einen Abwehrspieler ins Leere grätschen ließ und dann ins Netz traf. Kurz danach erwischt es die Nummer 10 von Novara, er prallt mit dem Torwart zusammen und bleibt regungslos liegen. Kurze Aufregung, doch nach Behandlung spielt er weiter. Die erste Halbzeit läuft dadurch einige Minuten länger, doch Novara gelingt nicht der Ausgleich.

Die zweite Halbzeit beginnt, wie die erste endete: Novara drängt und drängt, aber es fehlt das Glück und vor allem das spielerische Vermögen der kampfstarken Gastgeber. Die Gäste kontern dagegen immer wieder gefährlich. Einer dieser Konter führt dann auch zur Entscheidung: links geht Altobelli an seinem Gegenspieler vorbei und zielt aus fast unmöglichem Winkel auf das Tor. Der Ball geht am verduzten Torwart vorbei, knallt an den Pfosten und fällt dem Sturmkollegen vor die Füße, der den Treffe für die Gäste erzielt. Danach nun Jubelstimmung bei den Gästen und mehr Gepöbel auf der Tribüne. Ein Heimfan wird hinaus begleitet, nachdem er den Gästen vom Comer See ein Angebot gemacht hatte. Unten, hinter den Trainerbänken wird schon das ganze Spiel gepöbelt, das endet auch bis zum Ende nicht. Die Heimkurve schweigt nach dem 1:3 aber endgültig, bis dahin waren sie wirklich überzeugend. Die Gäste sind nun deutlich lauter und feiern ausgelassen.

Draussen steht der Heimpöbel noch beisammen, trinkt ein Frustbier und quatscht über das Spiel. Unsereins verzieht sich zum Auto und fährt wieder ins Hotel.

Alles in allem ein sehr unterhaltsames Spiel mit durchwachsener Atmosphäre, aber da hat man ja auch nicht wirklich etwas großes erwartet.

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