Rage against the machine in Modena

Samstag, 14.06.2008, 21:30 Uhr, Stadio Comunale

So eine Scheiße, da kommt die wohl grandioseste Band meiner 20er Jahre nach Deutschland und ich bin sowohl beim Konzert in Berlin als auch auf den beiden Festivals nicht im Lande, sondern bereits im Urlaub in Italien. Meiner Holden einzureden, den Urlaub deswegen zu verschieben, ist vollkommen zwecklos und bringt auch mir nix, Urlaubsplanung sei Dank. Doch schon zeigt sich ein Silberstreif am Horizont: Rage treten am 13.06. im Stadio Braglia in Modena auf. Puh, Modena ist fast 3 Stunden von unserem Urlaubsort entfernt. Scheiß drauf, wann siehste die Jungs noch mal in deinem Leben? Karten bestellt und seit März hängen sie in unserer Küche. Natürlich war auch meine Frau begeistert, teilte sie doch damals meinen Musikgeschmack bereits – ohne das wir uns damals schon kannten. Letztmalig im Jahr 2000 waren die Jungs um Zack und Tom Morello in Deutschland, damals hatte ich sie im Januar in der Düsseldorfer Philippshalle mit ein paar Kumpels gesehen. Freitag abends und das BVB-Spiel war auch auf diesen Termin gelegt worden. Alle saßen wir in einer Zwickmühle, doch wir entschieden uns für Musik, da der damalige Skibbe-Fußball eh nichts versprach, über das man sich noch würde freuen können. Das Konzert damals steht noch immer auf Platz 1 meiner persönlichen Hitliste, das Spiel war das letzte von Michael Skibbe. Wir erinnern uns, was dann folgte, Krauss und der Fastabstieg. Danach traten sie noch bei Rock am Ring auf und kurze Zeit später lösten sie sich auf. Die restliche Band versuchte es ohne Sänger als Audioslave und mir lief jedes mal ein Schauer über den Rücken, wenn ich Morellos Gitarre vernahm und dann die Stimme von Soundgarden bekam, eklig. Ende letzten Jahres dann die Wiedervereinigung und die Ankündigung, solange live zu spielen, bis George W. Bush endlich aus seinem Amt gejagt sei.

Wir schreiben das Jahr 2008 und es ist Sommerpause, kein Spiel konnte verpaßt werden, wenn man mal von dieser Europameisterschaft in der Schweiz und Österreich absieht. Da wir keinen Bock hatten, mitten in der Nacht den Feldweg zu unserer Urlaubsresidenz zu befahren und auch keinen Bock auf 3 Stunden Autofahren mitten in der Nacht, buchte Freund Plette übers Internet ein nettes Hotel außerhalb Modenas. Richtig feines Teil für schlapp 48,- EUR. Das wird gleich mal als Stützpunkt für die nächste Hoppingtour ins Auge gefaßt. Früher Nachmittag und wir quälen uns nach dem einchecken mit dem Auto durch Modena. Stau dank einer Demo gegen irgendeine Straße. Die Parkplätze am Stadion waren natürlich alle restlos voll und wir parkten zwei Straßen weiter. Überraschenderweise stellte sich Modena als richtig nettes Städtchen heraus. Universitätsstadt und wohl auch nicht sonderlich arm. Kleiner Bummel, Pizza essen und dann endlich auf zum „Lo stadio“. Italien wäre nicht Italien, wenn es am Eingang nicht Chaos geben würde. Also nur wenige Eingänge für viel zu viele Leute. Aber hier ist man locker, es gibt kein Theater, irgendwann sind wir drin und staunen über „sozial verträgliche Preise“ von 5,- EUR für ein Bier. Faires Ding und nicht wirklich passend bei einem RATM-Konzert.

Im Stadion dann das zweite Chaos: ein kleines Tor und keine Abtrennung zu den Sitzplätzen, alle wollen natürlich lieber in den Innenraum, die Ordner wiederum lassen nicht alle in den Innenraum. Das Ergebnis ist viel Gedrängel, Gepöbel und langsam auch eine aufgeheizte Atmosphäre. Irgendwann platzen ein paar Leuten die Kragen und die Ordner werden handfest angegriffen. Nachdem dann ein paar Schläge ausgeteilt wurden, geben die Ordner auf. Alle Tore sind nun offen und jeder kann dahin, wo es ihm gerade paßt. Von der Hintertortribüne schleichen noch etliche Leute auf die Seite, um von da aus in den Innenraum zu kommen. Dann kommt auch hier ein Ordner und beendet das ganze – für gute 5 Minuten, dann haut er wieder ab und kommt auch nicht wieder.

Da es unten recht voll scheint, versuchen wir es zunächst mit einem Sitzplatz. Wir sind ja in Italien, da werden die Leute sicher auch hier gut abgehen. Mit gut 30 Minuten Verspätung, um 22 Uhr, kommen RATM endlich auf die Bühne. Die komplette Band im Outfit der Guantanamo-Häftlinge: orangener Overall, schwarzer Sack auf dem Kopf. Das passende Stück Musikgeschichte dazu lautet „Bombtrack“ und das Stadion geht ab. Leider nur nicht unser Block, wo die Leute wirklich sitzen bleiben. Alles andere steht und geht ab. Also scheiße, ab in den Innenraum, wo der Rest des Abends gerockt wird. Die Jungs geben noch eine Zugabe mit „Freedom“ und natürlich „Killing in the name of“ – ganz sattes Ding, richtig gutes Konzert. Ab ins Hotel, auspennen und Sightseeing in Lucca, bevor es zurück ins Urlaubsparadies geht.

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