Freunde der Sekundärsportarten aufgepasst!

Ich nehme es vorweg: ich habe mich zum Eishockey getraut. Das letzte mal habe ich bei meinem alten Arbeitgeber ein Spiel der Kölner Haie in dieser supidupi Arena gesehen und mich zu Tode gelangweilt und war zugleich bestürzt, was für ein Kack aus Eishockey geworden ist.

Doch wir hatten uns für ein wirklich interessantes Spiel entschieden, das Tessiner Derby zwischen dem HC Lugano und HC Ambri-Piotta sollte es sein. Donnerstag abend ging es los, Übernachtung in Stuttgart und morgens nach der ersten Kräftigung weiter nach Ambri. Ambri ist ein Kaff direkt neben der Raststätte „San Gottardo Sud“ nach dem St. Gotthard-Tunnel und hat knapp 400 Einwohner. Trotzdem ist Ambri einer der beliebtesten Vereine der Schweiz und in diesem Dorf steht wirklich eine (alte) Eishalle für knapp 7.000 Zuschauer. Leider ist Ambri aktuell Tabellenletzter und spielt heute abend zuhause gegen Fribourg aus der französischen Schweiz. Trotz guter Chancen zu Beginn geht Ambri mit 0:5 unter und die Stimmung in der Halle haut uns auch nicht wirklich aus den Socken (aber wer soll es den Tifosi verdenken?).

An dieser Stelle ein paar allgemeine Worte zur Situation. Ambri ist seit jeher der Verein der kleinen Leute und hat immer wieder mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Dem gegenüber steht der reiche HC Lugano, der seit 1986 siebenmal schweizer Meister wurde und der wenig Sorgen und eine modernere Eishalle hat. Hier im Tessin („Ticino“, die italienische Schweiz) wird bekanntermaßen italienisch gesprochen und gelebt und so verspricht dieses Derby doch wirklich südländische Atmosphäre.

Da das Spiel erst um 20:15 Uhr beginnen soll, machen wir uns auf den Weg nach Como und verbringen den Tag in der Stadt am Comer See. Christian und ich sehen uns noch das Stadion an, wo uns der Platzwart auf den Platz läßt und uns erklärt, dass der Schnee bis gestern noch fast kniehoch auf dem Platz gelegen habe. Dummerweise können wir aus diversen Gründen morgen nicht zum Heimspiel von Como Calcio, was uns beide doch etwas nervt.

Choreographie in der Curva Nord

Choreographie in der Curva Nord

Sei es wie es sei, abends gehts zurück nach Lugano und direkt zur Halle. Diese liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zum Stadion von Lugano, was auch hell erleuchtet ist. Dient wohl mehr oder weniger zur Illuminierung der Parkplätze und Anmarschwege. Kurzer Rundgang um die Eishalle und dann nach längerem anstehen rein in die gute Stube. Christian, Daniel und ich schaffen es noch pünktlich zur Choreographie, die aus vielen schwarzen, gelben und weißen Fahnen, sowie sogenannten Hallen-Bengalen besteht. Nett anzusehen, nachdem sich der Vorhang der „Curva-Nord-Fahne“ senkt. Gegenüber stehen etwa 1.000 Fans aus Ambri, die eine Blockfahne ihrer Hauptgruppe („Gioventu“) präsentieren und ein kleines Spruchband.

Was nun folgt ist Werbung für diese Sekundärsportart und vor allem für gute Atmosphäre. Die beiden Kurven gehen das komplette Spiel gut ab. Immer wieder wechseln sich kurze Rufe zum anpeitschen ihrer Mannschaft mit Beleidigungen des Gegners und melodischen Gesängen, die die Einmaligkeit ihrer eigenen Kurve (lustigerweise mit den jeweils gleichen Liedern) zum Inhalt haben, ab. Völlig unnötig dagegen die ständigen, nervenden Musikeinspielungen bei Strafzeiten, letzter Spielminute etc.pp. Mag in der Kölnarena für die Masse der Eishockeytouristen toll sein, hier ist es einfach fehl am Platz. Die 3 Trommler auf Lugano-Seite drehen zwischenzeitlich total durch, einer hätte dem Ambri-Schlussmann gerne seinen Trommelstock eingeführt, was vom Vorsänger verhindert wird. Auf der anderen Seite ist Ambri heute viel, viel lauter, geschlossener, kreativer und emotionaler als noch am Abend zuvor.

Lugano gewinnt am Ende hochverdient mit 3:1, die Ambri-Fans pöbeln und zündeln noch etwas herum und verschwinden schließlich aus dem Stadion. Luganos Publikum feiert noch recht lange, bevor es dann ebenfalls die Halle verläßt. Draußen wird getrunken, gesungen und gefeiert, zwischendurch sind ein paar Ambri-Fans zu sehen, die zu ihren Autos gehen. Der Großteil des Ambri-Haufens ist durch die komplette Sperrung der Hauptstraße getrennt von den Heimfans und kann so locker zum Bahnhof trotten.

Unsereins schlägt sich zum Sprinter durch und um 4 Uhr erreichen wir dann auch die württembergische Provinzstadt.

Fazit: absolut lohnenswerte Tour mit einem wirklich hochklassigen und atmosphärisch geilem Spiel. Schönen Dank an Roland für die Karten und Heike und Klaus für die ganze Tour!

Fotos: http://picasaweb.google.com/snej72/TessinerDerby2009

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