Rückblick auf Samstag

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Vergangene Woche verstarb auf der Südtribüne der 21jährige BVB-Fan Kevin. Medien und Fans überschlugen sich mit Spekulationen. Noch in der Nacht wurde von der Bild behauptet, der Junge sei betrunken gewesen. Zu diesem Zeitpunkt wußte das aber noch niemand – wie denn auch? Die Polizei verkündete am nächsten Morgen, dass der Junge unter Alkoholeinfluß gestanden habe. Sie schrieb aber nichts von betrunken, sie veröffentlichte auch keinen Promillewert. Alkoholeinfluß kann sowohl 0,2 Promille, als auch 2,0 Promille heißen. Wenn man dem Jungen nun böses will, denkt man an letzteres. Aber wer will einem Toten noch etwas böses? Wer bewirft einen Toten noch mit Dreck? Einzig die Zeitung mit den 4 Buchstaben erging sich in der Behauptung, dass Kevin sich bei seinem Arbeitgeber krank gemeldet habe und trotzdem ins Stadion gegangen wäre. Wer braucht diese Information? Wohl niemand, dient sie lediglich der Befriedigung niedrigster Gefühle. Leider gibt es auf den Tribünen unseres Stadions zuviele Menschen, die diesen Mist lesen und noch dazu alles für bare Münze nehmen. So entblödete sich einer kurz nach Toröffnung nicht, zu fragen, ob es denn stimme, dass der Junge krank gemeldet gewesen sei. Nach einigen passenden Worten verzog er sich dann. Andere bemerkten, dass der Junge doch selbst Schuld sei, schließlich sei er besoffen gewesen – während sie selbst gerade ihr Bier tranken. Andere mußten bei der Werbeaktion einer Bank auch blödeste und stumpfe Dinge von sich geben. Nach dem Spiel wurden die ehrenamtlichen Helfer der Fanabteilung (die teilweise nichts vom Spiel gesehen hatten) angepöbelt, weil sie die ausgelegten Kondolenzbücher nach Spielende nicht mehr vollständig überwachten und eines dann „30 Minuten im Bier lag, seit ich hier stehe!“ – „Warum hast du es nicht weggenommen oder jemanden gerufen?“ – „Pah, die sitzen da hinten und quatschen nur. Ich bin der Meinung, dass man so etwas richtig macht oder gar nicht!“. Da hatte er sich wohl für gar nicht entschieden. Vielen Dank dafür.

Ernsthafter Dank geht dann aber doch an die 99% der Besucher des Westfalenstadions am Samstag. Sowohl das gemeinsame „You’ll never walk alone“, als auch die Schweigeminute waren beeindruckend und taten der Familie und den Freunden des Toten sicherlich sehr gut. Viele waren sichtlich geschockt, schließlich verstarb Kevin in unserem Wohnzimmer. Peter (aka Altrocker) von schwatzgelb.de fand dafür die richtigen Worte.

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Eine Antwort zu “Rückblick auf Samstag

  1. Pingback: You’ll never walk alone « Das schweigende Dilemma

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