Action Days in Dortmund

So titelte zumindest „die“ Antifa vor dem Wochenende vom 04. – 06. September. Nazis oder – wie sich selbst ja so gerne nennen – nationale Sozialisten wollten in Dortmund am 05. September zum Antikriegstag aufrufen und demonstrieren. In den Vorjahren war das teilweise sehr beschämend, wenn zum Teil mehrere tausend Nazis mit schwarz-weiß-roten Fahnen durch unsere schöne Stadt laufen und der einzige Widerstand dagegen darin besteht, dass man „die am besten ignoriert“. Dass dieses ignorieren gar nichts hilft, scheint man inzwischen begriffen zu haben und so riefen auch viele Organisationen zum Protest auf und belegten praktisch alle öffentlichen Plätze der Stadt mit Veranstaltungen. So wäre es den Nazis ohnehin schon schwergefallen, zu marschieren, aber der Polizeipräsident konnte sich erstmal zu einem Verbot der Demo durchringen, die dann in der Nacht zuvor vom BVG doch noch erlaubt wurde.

Zusätzlich hatte das Bündnis „Dortmund stellt sich quer“ und das s5-Büdniss noch zu jeweils einer Demo (DSSQ am Bahnhof und s5 am Gerichtsplatz) aufgerufen. Dort sollte es um 10 Uhr (Hbf), bzw. 11 Uhr losgehen. S5 setzt sich dem vernehmen nach eher aus der antideutschen Szene zusammen, DSSQ aus der sogenannten „roten Antifa“. Ihr merkt, liebe Leser, in Deutschland ist das alles Kopfsache und gar nicht so einfach. Da gibts nicht einfach nur die Antifa, man muss sich inzwischen auch voneinander abspalten und streiten. Dann kommt es schon mal vor, dass Linke USA- und Israel-Fahnen schwenken. Die älteren unter uns, die schon in den 80er politisch interessiert waren, werden spätestens hier mit dem Kopf schütteln. Dabei bleibt es aber nicht, man wird dann in der Stadt nicht nur angesprochen, ob man nun ein Linker oder Rechter sei, sondern auch, ob man „Antideutscher“ sei. Ich kann vorwegnehmen, es sollte ein herrlicher Tag werden.

Als typische Krawalltouristen machten wir uns auf den Weg und waren mal hier und mal da, tranken mal ein Bierchen in der Stadt oder waren auf einer der Veranstaltungen im Kreuzviertel. Ist ja nicht so, dass uns das nicht interessiert, aber mit dem schwarzen Block mitlaufen wäre dann ja doch etwas albern. Das allermeiste, was da so von linksradikaler Seite abläuft, ist schon irgendwie sehr albern. Mega junge Leute, die sich im böse gucken übertreffen, dazu etliche Fußballleute, die einen mustern, weil sie das Gesicht vielleicht doch irgendwo schon mal gesehen haben und zu guter letzt bekommt man noch fast von ein paar Faschos was vor die Kauleiste. Das Gemische zwischen beiden Seiten erinnert dann auch eher an einen Bandenkrieg, als an politischen Kampf. Die Unterschiede verschwimmen – und das nicht nur in Sachen Outfit. Der Kapitalismus muss abgeschafft werden und das System bekämpft werden, die Bullen sind auch beiderseiten Feind – wenn da nicht das Thema Israel wäre.

Ein guter Kumpel, dessen Schandtat es war, am Samstag bis mittag im Hafen zu arbeiten und mit der U-Bahn nach Hause zu fahren, hatte dann noch Spaß mit ein paar Antifa-Frontkämpfern, die ihm nicht glaubten, dass er kein Fascho ist und ihn x-mal fragten, ob er sich denn wirklich sicher sei, dass er von der Arbeit komme. Alter Falter, das nenne ich faschistisch. Aber so läufts halt im Bandenkrieg, Kollateralschäden inbegriffen.

Genug gemotzt, immerhin waren die Veranstaltungen auf den Plätzen gut besucht und das vornehmlich von Dortmunder Bürgerinnen und Bürgern, die Zugereisten tobten derweil am Bahnhof und am Gerichtsplatz.

Sonntag gings dann weiter: der Osten Deutschlands, respektive die DDR in Gestalt von Dynamo Dresden, war zu Gast. Und was war das für ein Anblick: ein Haufen rotzvoller Asis, die ausser pöbeln nicht viel konnten. Natürlich wurde man als Wessischwein ausgemacht, das man später noch abstechen würde. Uiuiui, diese Jungs sind hart, ganz klare Wendeverlierer, immerhin erst nach oder kurz vor der Wende geboren – egal, die wissen, damals war alles besser. Hat schon meine Oma gesagt und die meinte nicht die DDR. Der Großteil der Vollasis, die da mit Ultras Dynamo einliefen, würde wohl nicht nur bei uns einfach nach Hause geschickt, weil er zu stumpf und einfach zu asozial ist. Aber da gehört es wohl zum guten Ton. Da lässt sich der Junge schon mal gehen, wenn die Muddi nicht dabei ist. Am Montag kann er dann ja wieder im Hilton vor der Tür stehen und den braven Bürger spielen. Das einzige, auf dass sich die ganze Szene offenbar einigen kann, ist Dynamo und „scheiss Wessis“, faszinierend. Es tut mir leid, für all die feinen Dynamos, die ich zuletzt kennenlernen durfte, aber der Eindruck von Sonntag war eher üblerer Natur.

Immerhin haben wir nach dem glücklichen 1:0 Sieg wieder lustige Stimmungsdiskussionen bei schwatzgelb.de Da hat der Ultrahaufen doch einfach aufgehört zu singen. Wofür sind die denn da, wenn nicht zum bespaßen? Und das alles nur, weil die beste aler besten Ultragruppen der Welt, Red Kaos Zwickau, ihre Dresdner Freunde beschützt hat und diese dann im Schutz der Zwickauer eine Dortmunder Zaunfahne erneut präsentieren konnten, die der PR-Beauftragte von Ultra-Ostdeutschland mal von einem Zaun klaute, als in Dortmund noch keiner wusste, dass es so mega böse multikriminelle, menschenfressende Ostdeutsche gibt. Sei es wie es sei, unsere „selbst ernannten“ [tm] Ultras stellten den Gesang ein, weil man eben doch zu angefressen war. Kann man doof finden, verstehen, nicht verstehen oder wie auch immer. Dass sich aber Leute darüber aufregen, die entweder erst kurzem überhaupt zu den Amateuren gehen oder sonstwie noch nie ihre Schnauze dort aufgemacht haben, finde ich schon reichlich lächerlich. Wer verbietet euch Stimmungskanonen denn das singen? Ich bin auch kein Fan des Dauer-singsangs bei den Amateuren die Spielmannszugtrommel nervt mich – aber, es ist die zweite Mannschaft. Ich komme dahin, um Fußball zu gucken und zu quatschen und ich mache nicht die Leute an, die etwas mehr machen und singen. Und die Spieler freut es generell, dass Krach ist.

Aber so können eben viele Leute wieder lustige Dinge in den Raum stellen. Wenn es nicht so traurig wäre….

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