Buch-Tipp

Wer mal wieder Lesestoff sucht, dem empfehle ich „Ultrakulturen und Rechtsextremismus“. Ich habe es bereits vor gut einem Jahr gelesen. Da es eine Diplomarbeit ist, wirkt es natürlich recht wissenschaftlich, bietet aber auch einige Hintergrundinfos über die italienische Ultraszene. Äußerst interessant zum Beispiel die Hintergründe des „umschwenkens“ der Curva Sud in Rom: […]Die verschiedenen Ultra-Gruppen der Roma schlossen sich 1977 zum „Commando Ultrà Curva Sud“ (CUCS) zusammen. Die daran beteiligten Gruppen gehörten verschiedenen politischen Richtungen an, die sie aber im Stadion zunächst zurückstellten, um gemeinsam ihr Team zu unterstützen. So waren an dem Zusammenschluss auch die Boys beteiligt, die seit jeher eher rechts eingestellt waren. Nach außen transportierte das CUCS in den folgenden Jahren dennoch eine deutlich linke Position, weshalb heute von der Fangemeinde der Roma gesagt wird, sie wäre ursprünglich links gewesen. Das CUCS zerbrach 1987 an einem internen Streit. Der Verein hatte bekannt gegeben, den Spieler Lionello Manfredonia zu verpflichten, wogegen eine Reihe von Ultras aus dem CUCS opponierten. Manfredonia spielte zuvor beim Erzrivalen Lazio, hatte sich negativ über die Fans der Roma geäußert und war wegen Spielmanipulation verurteilt worden. Etliche Ultras gingen also in massive Opposition zum Verein, während andere der Überzeugung waren, man müsse nichtsdestotrotz den Verein weiter unterstützen. Das CUCS spaltete sich also, wobei der kritische Teil („CUCS – Gruppe Anti Manfredonia“) eher links und der unkritische Teil eher rechts orientiert war. Der Verein bevorzugte in der Folge die unkritischen Gruppen auf unterschiedlichen Wegen, zum Beispiel, indem den Gruppen Platz in der Vereinszeitung eingeräumt wurde. Dies führte schließlich zur Auflösung beziehungswegse zu einem massiven Bedeutungsverlust der kritischen, eher linken Gruppen. Einen weiteren Beitrag zur Machtverschiebung innerhalb der Kurve brachte der Wechsel im Präsiedentenamt des Vereins im Jahre 1991. Der neue Mann an der Vereinsspitze, Giuseppe Ciarrapico, war ein Sympathisant der extremen Rechten und begünstigste die Gruppen mit den entsprechenden politischen Ansichten ganz bewusst durch die Zuteilung von Freikarten. So verschob sich die Macht in der Kurve zugunsten von Gruppen, die fortan rechtsextremistische Verhaltensweisen förderten oder zumindest duldeten. Selbstverständlich sind heute noch viele Fans der Roma der linken Szene zuzuordnen. Dabei handelt es sich jedoch eher um einzelne Individuen, die zur Außenwirkung der Fangemeinde wenig beitragen. Gründe dafür könnte mangelnde Organisation, politische Zurückhaltung aus eigener Überzeugung oder aus Furcht vor Intervention der dominierenden rechtsorientierten Gruppen sein.[…]

Auch sonst einiges zu erfahren und manches, über das man selbst nachdenken könnte und vielleicht auch sollte.

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