Derby!

Nicht erschrecken, es handelt sich hierbei nicht um unser Derby. Aber angefangen hat es damit. So besuchten uns beim letzten Derby in Dortmund ein paar Jungs von Bröndby IF, die man beim „Football Supporters Europe Congress“ im Sommer kennen gelernt hatte (yeah, endlich wieder ein szenetypischer „man“-Satz!). Zum 100jährigen war erneut eine Autobesatzung aus Dänemark da und die Gegeneinladung war schnell ausgesprochen. Aus akuten Vaterschaftsgründen platzte die Reise zum Auswärtsderby beim FC Kopenhagen. Am 02. Mai stand aber noch das dritte Derby der Saison an, im Bröndby-Stadion gegen den FCK. Samstag also das Heimspiel gegen die blauen Wolfsburger gesehen, nicht so früh wie geplant ins Bett, dafür eine Stunde später los und um 5:15 Uhr sollte es losgehen. Dummerweise bekamen wir Vollhonks die dritte Sitzbank nicht in den Bulli und werkelten recht lang sinnlos herum. Bis ein Männlein aus Wuppertal (asozial!) auf die Idee kam, die Kopfstützen rauszunehmen. Natürlich hatte ich diese Idee schon viele Minuten zuvor, nur nicht ausgesprochen…Sensationeller Weise klappte der Einbau dann sofort und los ging die wilde Fahrt. In Verl noch Horst und Schlü eingesammelt und weiter schnurstracks Richtung Puttgarten. Dort wurde durch diverse Mitfahrer das örtliche Aufklebermuseum begutachtet, während wir auf die Fähre warten. Irgendwelche Hannover-Schmocks wurden auch noch gesichtet und deren Versenkung auf offener See beschlossen, aber nie in die Tat umgesetzt. Inkonsequent, wir waren ja motiviert, aber nicht entschlossen genug und so, kennt ihr ja.

Runter von der Fähre, weiter nach Kopenhagen und unterwegs von dänischen Hotdogs und dänischer Soße geschwärmt. Hotel gesucht und direkt gefunden, eingecheckt und ab zum nächsten Bankautomat. Gar nicht so einfach, da die ersten 3, die wir ansteuerten, direkt kaputt waren. Nach Plünderung des Kontos und der x-ten Wiederholung des Megawitzes „Ich hab ein super Konto, da wirds mehr, wenn ich Geld abhebe!“, wollten die jungen, beinahe insolventen Mitfahrer unbedingt zu Aldi – was später bei den dänischen Gastgebern für Ekel sorgen sollte. Aldi hat da nicht so den guten Ruf…

Jetzt sollte es direkt zum Stadion gehen, natürlich ohne Navi, dass ich im Hotel gelassen hatte. Schließlich bin ich ja so ne Art Brieftaube und wir näherten uns in konzentrischen Kreisen dem Stadion. Nur 5-7 Minuten entfernt brauchten wir geschlagene 30 Minuten, aber ich wusste natürlich immer, wo wir sind, also beinahe. Nette Begrüßung unserer Gastgeber und nach einem kurzen Gespräch gabs auch gleich leckeres Bier. Mords nette Leute und zum Glück gabs mit Jakob auch einen Eingeborenen, der fließend deutsch sprach. Man munkelt, er würde besser deutsch sprechen, als der mitreisende Herr Fotzenberg, dessen echter deutscher Name in Dänemark für große Erheiterung sorgt. Mehr wird hier nicht verraten. Achso, wir trafen uns übrigens am Fanhaus des offiziellen Supportersclubs, geile Örtlichkeit in Stadionnähe, da könnte man neidisch werden.

Gut 2 Stunden vor Spielbeginn machten wir uns mit den Alpha-Bröndby-Leuten auf zum Stadion, total locker, keine Sorgen wegen Fahnensicherheit und anderem sekundären Quatsch, den man in Schland beachten muss. Lasse erklärte uns noch, dass die FCK-Fans seit Gründung des Retortenvereins FCK in den 90er Jahren noch nie das volle Gästekontingent abgerufen hatten und i.d.R. Stimmungstechnisch eher schwach seien. Von weitem konnten wir zu diesem Zeitpunkt auch nur Ordner und Polizei sehen, keine Gästefans. Diese reisten mit Bussen oder einem Zug und entsprechender Begleitung später an.

Das Bröndby-Stadion besteht aus einem alten Teil, den ich bereits 1993 mit Borussia besuchen durfte. Meine Erinnerung daran ist aber recht eingeschränkt und das heutige Stadion erinnert wohl nicht mehr wirklich daran. Das Stadion ist ein typisches, echtes Fußballstadion und liegt in einem Industriegebiet nahe der Autobahn. Innen gibt es – wenn man deutsche Maßstäbe ansetzt – sehr wenig Fress- und Getränkestände, dafür eine Wettbude direkt neben der Heimtribüne. Die Fresstände und die mega leckeren Würstchen mit Ketchup, Zwiebeln und Remou sind bombe, einfach zu empfehlen.

Der Gästeblock war komplett in weiß angereist und im Oberrang versammelten sich hinter einem kleinen „Urban Crew“-Banner die Sangeswilligen. Schon komisch, wie man sich als Ultra zu so einem Klub bekennen kann und mindestens genauso komisch wie die Jünger des „Hamburger SV e.V.“, die das „e.V.“ jedem bei jeder Gelegenheit unter die Nase reiben, sich bei dieser Retorte rumtreiben. Muss man nicht verstehen.

Die Heimkurve zeigte eine beeindruckende Kurvenshow, die schon fast 5 Minuten vor Spielbeginn startete. Eine große Blockfahne überspannte die Stehplätze, auf der ein feiernder Klubeigner zu sehen war, umgeben von Euro-Zeichen, im Hintergrund ein Stadion. Dazu Verbotshinweise in Sachen Pyro, Fahnen etc. und ein Spruchband „Warum ist alles so trist und grau?“

Zum einlaufen der Mannschaften verschwand die Blockfahne, darunter ein neues Spruchband („Wenn alles so bunt und fröhlich sein kann?“) und Ballons und Fahnen und vor der Tribüne eine offizielle Pyroshow. Letzteres wirkte irgendwie deplatziert, aber man hatte es wohl mal machen wollen, um Bewegung in die Pyro-Diskussion zu bekommen. Das ließ sich also schon mal gut an, wir hatten unsere Plätze in der Stadionecke eingenommen und wir freuten uns auf einen netten Fußballabend. Bröndby hatte in dieser Saison leider nicht viel zu melden und war im sportlichen Mittelmaß versunken, der FCK konnte dagegen schon am heutigen Abend die Meisterschaft klar machen. Zu Beginn des Spiels hatte Bröndby auf dem Platz leichte Vorteile, ohne wirklich zu überzeugen, spielerisch war das Spiel auf recht niedrigem Niveau, ein typisches Derby eben. Die Stimmung auf der Heimseite war durchschnittlich, nette Lieder dabei (eine Melodie sollte uns nicht mehr aus dem Kopf gehen), aber aufgrund der sportlichen Situation alles eher verhalten und nur selten von mehr als nur dem Zentrum der Tribüne getragen. Aber das ist ja mehr oder weniger überall so.

Die Gäste hatten einen recht guten Auftritt, 90 Minuten in Bewegung, lautstark und optisch durch den Einsatz der weißen Klamotten und der Schals ebenfalls gut. Daneben ging eine merkwürdige Pyroshow in der zweiten Hälfte, so warfen sie einen Rauchbehälter in den Familienblock im Unterrang und versuchten sich verzweifelt am hochhalten von zwei Spruchbändern, die „Kopenhagen ist blau-weiß“ darstellen sollten, aber reichlich beschissen aussahen und erst nach zig Versuchen einigermaßen sichtbar waren.

Auch Bröndby zeigte zur zweiten Halbzeit eine kleine Pyroshow, die von unserer Position aus eher uninspiriert und fast schon langweilig wirkte. „Pyro, nur um Pyro zu zünden.“, meinte dann einer aus unserer Runde. Wirkte jedenfalls recht leblos, kaum Gesänge dazu, keine Fahnen. Bin persönlich eh der Meinung, dass man sich lieber um andere Dinge kümmern sollte, als seine Energie an der Pyroproblematik zu verschwenden, aber gut, dass ist wieder ein anderes Thema.

Das Spiel nahm dann den Lauf, den wohl alle befürchtet hatten, Bröndby verlor, der FCK feierte im Stadion des Rivalen die Meisterschaft. Dafür fand ich es dann recht verhalten. Auf Bröndby-Seite war der Frust greifbar, gleichzeitig aber auch die Resignation, es derzeit wohl einfach nicht mit dem Rivalen aufnehmen zu können. Aber diese Derbys kennen wir ja auch irgendwie und trösteten sie mit der Erkenntnis, dass 2 Derbysiege in 12 Jahren auch nicht gerade der Kracher sind – wenn auch die Mutter aller Derbysiege dabei war. Nach dem Spiel trotteten wir gemeinsam mit unseren Gastgebern zurück zum Fanhaus, unterwegs reichlich viel sportlich gekleidete junge Männer, die noch Action suchten. Wir waren schon überrascht, wieviele klassische Hooligans es hier noch zu geben scheint. Das kennt man aus Deutschland ja fast gar nicht mehr. Bis auf Pöbeleien und ein wenig Geschubse gegen Polizeibeamte passierte dann aber auch nicht mehr viel vor dem Stadion. Die Masse der Brönbdy-Hools versuchte es wohl auf anderen Wegen.

Am Fanhaus wurden gerade noch die Wunden geleckt, während auf der anderen Seite noch munter gegen die Staatsdiener gepöbelt wurde. Plötzlich hieß es, ein Bröndby-Mann sei verhaftet worden und solle gleich mit dem Wagen am Fanhaus vorbei abtransportiert werden. Als Reaktion wurde spontan eine Barrikade gebaut, die nur dafür sorgte, dass der Wagen umdrehte und sich anders entfernte. Die Polizei gab dann noch ein Ultimatum, dass die Barrikade innerhalb von 10 Minuten zu verschwinden habe. Sie verschwand nicht und es passierte nichts, Polizei aus meiner Sicht generell sehr entspannt, den ganzen Tag keinen Polizisten mit Helm auf dem Kopf gesehen.

Da der Frust nicht weichen wollte, brachte ich die Bagage zu ihrer Übernachtungsmöglichkeit bei „McFlury“, der so heißt, weil er die quasi inhaliert, bevor ich ins Hotel fuhr. Endlich wieder ausschlafen, nur ein einziges Bier getrunken, fast schon seriös. Die anderen waren nicht ganz so seriös und ließen es mit Lasse und Jakob noch gut bei McFlury krachen. Als ich die Bande gegen 9:30 Uhr abholte, sahen einige nicht so lecker aus. Rückfahrt dann noch unspektakulärer als die Hinfahrt.

Dank an alle Mitfahrer und vor allem an die super Gastgeber aus Bröndby, ihr seid immer willkommen.

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